Weg ist der Job aber wovon leben?

„Gefangen im Schwitzkasten der Arbeitslosigkeit“

Arbeitslosengeld ist ein Ersatzeinkommen, das denen gewährt wird, die unfreiwillig eine Arbeit verlieren und die sich aktiv darum bemühen, eine neue Arbeit zu bekommen. Um Arbeitslosengeld zu erhalten, müssen Bedingungen eingehalten werden.

kap-soziale_sicherheit-ottoDer Bereich der Arbeitslosenversicherung unterstützt nicht nur bei vorübergehender Arbeitslosigkeit (z.B. den Bauarbeiter während der Winterzeit), bei Teilbeschäftigung (z.B. im Fall von Kurzarbeit), sondern auch Personen in Ausbildung (z.B. im Rahmen einer Ausbildung im Betrieb), sowie Risikogruppen (z.B. Langzeitarbeitslose). Ferner interveniert er in den Zulagen für Tagesmütter/-väter (um die Berufstätigkeit von Frauen zu unterstützen) oder bei vollständiger oder partieller Unterbrechung der Arbeitszeit (Laufbahnunterbrechung/ Zeitkredit wegen Elternurlaub oder als Person über 50 Jahre), usw.

Da Selbstständige keine Arbeitslosenbeiträge entrichten, haben sie auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Selbstständige, die arbeitslos werden, vor ihrer Selbständigkeit jedoch als Arbeit-nehmer tätig waren (oder arbeitslos waren), können unter gewissen Voraussetzungen Arbeitslosengeld erhalten. Auch Beamte zahlen nicht in die Kassen der Arbeitslosenversicherung ein, da sie fest ernannt werden und somit auch grundsätzlich nicht arbeitslos werden können. Man kann also sagen, dass alle lohnabhängigen Arbeitnehmer einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

kap-soziale_sicherheit-adg

Bisher geleistete Arbeitstage

Um ein Anrecht auf Arbeitslosenunterstützung zu haben, muss die betroffene Person vor ihrer Arbeitslosigkeit eine gewisse Anzahl von Tagen gearbeitet (und in die Kassen der Sozialen Sicherheit eingezahlt) haben:

Alterskategorie Anzahl Arbeitstage oder gleichgestellte Tage Bezugszeitraum
Unter 36 Jahre 312 Tage 18 Monate
Ab 36 Jahren, aber unter 50 Jahre 468 Tage 27 Monate
50 Jahre oder älter 624 Tage 36 Monate

Neben Arbeitstagen können jedoch auch andere Tage berücksichtigt werden.

Junge Arbeitssuchende mit abgeschlossenem Studium haben Anrecht auf Eingliederungsgeld (früher: Wartegeld), obwohl sie noch nie soziale Beiträge gezahlt haben. Denn diese Personengruppe hatte bisher noch keine Gelegenheit, Sozialbeiträge zu entrichten, da sie noch nicht berufstätig waren. Dieses Anrecht erhalten sie nicht sofort, sondern nachdem eine bestimmte Berufseingliederungszeit (früher: Wartezeit) verstrichen ist. Diese ist zeitlich begrenzt.

Bedingungen zum Erhalt des Arbeitslosengeldes

Der Arbeitssuchende verlor seine Arbeit unfreiwillig und ist seitdem ohne Arbeit und Einkommen. Er darf nur seine eigenen Güter verwalten, darf also keiner anderen Tätigkeit nachgehen. Er darf auch keinerlei Arbeit für Dritte (Schwarzarbeit) verrichten, wodurch er Lohn oder irgendeinen anderen materiellen Vorteil für sich oder seine Familie erwirbt. Wer ehrenamtlich tätig ist, sollte dafür die vorherige Genehmigung beantragen. Wer seine Arbeit selber kündigt, gilt als freiwilliger Arbeitsloser.

Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt

Der Arbeitssuchende wird Arbeitslosenentschädigung nur dann erhalten, wenn er beim Arbeitsamt als Arbeitssuchender eingetragen ist. Der Arbeitssuchende muss bereit sein, eine angemessene Arbeitsstelle zu akzeptieren. Seit 2004 wird dies regelmäßig kontrolliert und riskiert derjenige, der sich weigert “aktiv zu suchen” eine Strafe. Die (wiederholte) Verweigerung eines Arbeitsplatzes führt zum Verlust der Arbeitslosenentschädigung. Diese Personen gleiten dann meist von der Arbeitslosenentschädigung in die Sozialhilfe.

Ältere Arbeitslose (Frühpensionierte gelten als Arbeitslose, die von der Arbeitssuche befreit sind)

„Bestimmte Gruppen Arbeitsloser müssen gewisse Bedingungen nicht erfüllen. So brauchen beispielsweise Frührentner keine Kontrollkarte zu besitzen, sie können bei Arbeitsunfähigkeit die Leistungen behalten und dürfen unter bestimmten Bedingungen für eigene Rechnung eine Tätigkeit ohne Erwerbszweck (z. B. das eigene Haus renovieren) ausüben oder einen genehmigten Nebenberuf ausüben.“ Quelle: www.minsoc.fgov.be

Zeitkredit

Es gibt gewisse Formen der Laufbahnunterbrechung, die vom ONEM mittels festgelegter Beträge entschädigt werden. Die Sprache ist von den Zeitkrediten, die ein Arbeitnehmer vollzeitig, halbzeitig, oder an einem Tag pro Woche in Anspruch nehmen kann. Diese Zeitkredite können in Anspruch genommen werden, insofern der Arbeitgeber damit einverstanden ist und insofern alle Bedingungen eingehalten werden. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, Arbeitslosigkeit zu ver-hindern, wenn z.B. junge Eltern eine Auszeit nehmen möchten, um sich der Erziehung ihrer Kinder widmen zu können. Oder wenn ein Arbeitnehmer sich Zeit nehmen möchte, um einem schwer kranken oder sterbenden Familienangehörigen zur Seite zu stehen. Oder einfach, wenn ein Arbeitnehmer über 50 Jahre etwas kürzer treten möchte. Wer über einen Zeitkredit verfügt, arbeitet zwar nicht, behält aber das Recht auf seinen Arbeitsplatz und bezieht eine Prämie (als teilweisen Lohnersatz).

Angepeilte Änderungen

Die amtierende Föderalregierung peilt an, die Zeiten des persönlichen Zeitkredits nicht mehr als Berufsjahre für die Berechnung der Alterspension zu akzeptieren. Diese Maßnahme gilt auch für diejenige, die im Vertrauen auf die Beständigkeit der Regeln vorher einen Zeitkredit aus persönlichen Gründen genommen hatten. Um eine komplette Alterspension zu erhalten, müssen diese Personen nun länger arbeiten, um die Anzahl Dienstjahre zu erreichen. Für die Pension werden weiterhin die themenbezogenen Zeitkredite angerechnet ( Kindererziehung, Palliativsituation, Pflege eines kranken Familienangehörigen…

Höhe der Entschädigung

kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit06Vollarbeitslose, die vorher voll berufstätig waren, haben einen Anspruch auf volle Arbeitslosenentschädigung. Wer vollarbeitslos war und eine Teilzeitarbeit annimmt, kann mittels Antrag diesen Anspruch auch nach Aufnahme der Arbeit behalten.

Die Höhe der Leistungen ist abhängig vom Familienstand, der Dauer der Arbeitslosigkeit und des durchschnittlich bezogenen Tageseinkommens, über das er als Arbeitnehmer verfügte.

Man unterscheidet: Arbeitnehmer, der für Familienangehörige aufkommen muss; Alleinlebende: Sie verlieren ihr einziges Einkommen, müssen jedoch für keine weiteren Personen sorgen; und Zusammenwohnende: Sie verlieren nicht ihr einziges Einkommen.

Arbeitslosenunterstützung ohne Alterszuschlag

Quelle: www.onem.be

Beispiel: Zusammenwohnende mit Familienlasten

Minimum pro Tag Maximum pro Tag Minimum pro Monat Maximum pro Monat
Monate 1-3 43,65 61,66 1.134,90 1.603,16
Monate 4-6 43,65 56,92 1.134,90 1.479,92
Monate 7-12 43,65 53,05 1.134,90 1.379,30
Monate 13-14 43,65 49,58 1.134,90 1.289,08
Monate 15-24 (eventuell (1)) 43,65 49,58 1.134,90 1.289,08
Monate 25-30 (eventuell (1)) 43,65 48,39 1.134,90 1.258,14
Monate 31-36 (eventuell (1)) 43,65 47,21 1.134,90 1.227,46
Monate 37-42 (eventuell (1)) 43,65 46,02 1.134,90 1.196,52
Monate 43-48 (eventuell (1)) 43,65 44,84 1.134,90 1.165,84
ab Monat 49 (eventuell (2)) 43,65 43,65 1.134,90 1.134,90

Beträge gültig ab dem 01.09.2013

Aus den Beträgen wird ersichtlich, dass Arbeitssuchende nicht im Luxus leben. Wer als Familienoberhaupt mit 1.134 € im Monat – brutto wohlgemerkt – sich und seine Familie über die Runden bringen will, gehört schon zu den Überlebenskünstlern. Er liegt knapp über dem Existenzminimum von 1.068€/Monat und etwa 360 bis 400 € unter dem Niveau des Mindestlohns von 1.501 €/Monat (1.542 bei einem Alter von 21.5 Jahren und einem Dienstalter von 6 Monaten, 1.559 bei einem Lebensalter von 22 Jahren und einem Dienstalter von 12 Monaten). Quelle CCT 43 vom 01.12.2012

Die Arbeitslosigkeit in der DG

kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit07Das Thema der Arbeitslosigkeit ist in der Deutschsprachigen Gemeinschaft glücklicherweise ein Thema, das prozentual weniger Haushalte betrifft als im Landesinneren. Dennoch dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass hinter jeder Zahl eine Person steht mit all ihren Fragen und Problemen.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der DG (gemäß Angaben des ADG – Arbeitsamtes der Deutschsprachigen Gemeinschaft) schwankt im selben Langzeit-Rhythmus wie die Konjunktur – wobei der Monat Oktober die Schulabgänger (die sich nach den September-Prüfungen eingetragen haben) statistisch erfasst. So stellen wir fest, dass die Zahl der Arbeitslosen in den letzten Jahren sowohl bei den Männern als bei den Frauen erheblich im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen ist.

Gemäß den Angaben des ADG (Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft – Quelle „Arbeitsmarkt-Info“ vom Juni 2014) waren 1.414 Männer und 1.452 Frauen als Arbeitssuchende ohne Beschäftigung eingetragen. Das sind 24 respektive 67 mehr als im Mai des Jahres davor. Damit beläuft die Arbeitslosenrate sich auf 7,5 % für die Männer und 9,3 % für die Frauen. Wie sieht die Lage aus für die unterschiedlichen Gruppen von Arbeitnehmern? Gibt es, abgesehen vom Unterschied zwischen Männern und Frauen auch gravierende Unterschiede bzgl. des Niveaus der Ausbildung? Bzgl. des Alters der Person? Bzgl. des Wohnorts? Bzgl. der Dauer der Arbeitslosigkeit?

Wovon wird Arbeitslosigkeit im wesentlichen geprägt?

(am Beispiel der Arbeitslosenzahlen in der DG)

kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit01Einfluss der Ausbildung auf die Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosen mit Primarausbildung sind tendenziell ältere Arbeitnehmer. Als diese jung waren, genügte es oft, einen Primarabschluss vorzuweisen. Heute erweist sich dies als ein Nachteil. Personen mit einer Lehre riskieren seltener, arbeitslos zu sein. Eine Ausbildung oder eine gute Lehre lohnen sich, da sie eher gegen Arbeitslosigkeit schützen.
kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit02Einfluss des Alters auf die Arbeitslosigkeit: Der landesweite Trend, dass Jugendliche unter 25 Jahren oft und lange arbeitslos bleiben, spiegelt sich auch in den Statistiken des ADG wieder, wenn auch weniger ausgeprägt als im Landesinneren. Besonders auffallend ist der Anteil der Arbeitslosen über 50 Jahren. Sind es diese Personen, die aufgrund höherer Löhne als erste durch jüngere Neuzugänge ersetzt werden?
kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit03Dauer der Arbeitslosigkeit: Die Statistik des ADG besagt, dass im Juni 2014 knapp über 1.400 Personen bis zu einem Jahr nach Arbeit suchen, 900 davon jedoch bis zu 6 Monaten. Zu letzter Kategorie gehören auch die neu eingeschriebenen Studienabgänger. Zum harten Kern der Arbeitslosigkeit gehören diejenigen, die schon 2 oder mehr Jahre lang erfolglos nach Arbeit suchen.
kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit04Regionale Unterschiede: mit einer Arbeitslosenrate von 4,5 % liegt die Eifel deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Im Vorjahr lag diese um etwa 0,5 % niedriger. Der Kanton Eupen weist eine Arbeitslosenrate von 11,1 % auf und nähert sich schon deutlicher diesem Durchschnitt. Auch hier zeigt der Trend eine Zunahme im Vergleich zum Juni 2013 an. Die seit 2008 anhaltende Krise zeigt ihre Auswirkungen selbst dort, wo das Beschäftigungsniveau gut ist.
kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit05Eine Erklärung für diese regionalen Unterschiede liegt sicher in den Grenzpendlerströmen von der Eifel Richtung Luxemburg. Pendelten in 2000 etwa 1.584 Personen täglich nach Luxemburg, so sind es in 2013 bereits 3.497. Die Mehrzahl davon sind Arbeitnehmer aus der Eifel. Der Löwenanteil entfällt auf das Baufach, den Handel und den Transportsektor. Quelle : ADG

Eine paradoxe Situation: Fachkräftemangel

kap-soziale_sicherheit-arbeit2Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für mehr Beschäftigung weist paradoxe Züge auf. Auf der einen Seite sind wir konfrontiert mit saisonal schwankenden Arbeitslosenzahlen (darunter auch ein harter Kern von Arbeitslosen, deren Vermittlungschance gegen null tendieren). Auf der anderen Seite klagen immer mehr Unternehmen (z.B. aus dem Bausektor, dem Bereich der Fleischverarbeitung, …), dass sie händeringend nach Arbeitskräften suchen und keine geeigneten finden.

Das führt zu verschiedenen Feststellungen: zum einen, dass trotz möglicher Arbeitsplatzangebote ein bestimmter Teil der Arbeitslosen nicht vermittelt werden kann. Dies ist der harte Kern der Arbeitslosigkeit. Dazu gehören Personen, die aufgrund ihres Lebensalters nicht mehr vermittelt werden können. Dazu gehören die Langzeitarbeitslosen, die mit steigender Dauer der Arbeitslosigkeit kaum noch Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Dazu gehören diejenigen, die aufgrund ihrer familiären Situation (es sind Kleinkinder vorhanden) oder aufgrund ihrer gesundheitlichen Lage bei jeder Bewerbung abgewiesen werden. Und diejenigen, die aufgrund einer geringen Qualifikation (Laut E.U. Personen mit nur einem Primarabschluss, einem Mittelschuldiplom oder einem Gesellendiplom) zu den sogenannten Risikogruppen gehören. Bleibt die Frage, inwieweit diese Personen mittels Umschulung überhaupt qualifiziert werden können. Frage: wie sieht es mit der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe aus? ist das alleinige Verantwortung der Öffentlichen Hand?

Zum zweiten kann die Entwicklung der Unternehmen nicht nur davon abhängig gemacht werden, ob Personen mit gewünschter Qualifikation zu finden sind. Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit der Bedarf nach qualifizierten Arbeitskräften mit Arbeitnehmern aus dem Ausland abgedeckt werden kann und soll – vorausgesetzt, diese arbeiten entsprechend den hiesigen Lohn- und Tarifbestimmungen, damit kein Lohndumping betrieben werden kann. Nach bisheriger Praxis dürfen EU-Bürger sowieso und Nicht-EU-Bürger mit Arbeitserlaubnis der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in hiesigen Betrieben arbeiten. Eine Arbeitserlaubnis wird nur dann erstellt, wenn auf dem hiesigen Arbeitsmarkt kein Mitarbeiter mit der gewünschten Qualifikation zu finden ist.

Fallbeispiel - Studentenjob

Edgar, z.Z. Student an der Fakultät für Germanistik der Uni Lüttich,  nutzt die Gelegenheiten und arbeitet während der Sommerferien im Rahmen eines Studentenjobs. Diese Arbeit hilft ihm, sich sein Taschengeld zu verdienen. Die Eltern übernehmen die Kosten für das Studium und die Studentenwohnung, für Kleidung und Essen usw. Sie zahlen dies u.a. mit den Familienbeilagen, die sie für ihren Sohn bekommen. Doch wenn er auf eine Party möchte, muss er sein Taschengeld selber verdienen. In seinem Bereich werden insbesondere Lehrer in der FG  gesucht.

In welchen Berufen ist der Fachkräftemangel flagrant?

Liste der Mangelberufe in der DG – 2013 (Stellen 2012)Ingenieur
paramedizinische Berufe (Physiotherapeut, Ergotherapeut,) Krankenpfleger
Pflegehelfer, Familien- und Seniorenhelfer (diplomiert)
Lehrer für Oberstufe Sekundarschule (AESS)
Lehrer für Unterstufe Sekundarschule (AESI)
Technischer Zeichner
Techniker (Graduat/Bachelor): Bautechniker, Vorarbeiter, Hydrauliktechniker,…
Buchhalter
Sozialassistent
Fachleute für Handel und Management
Erzieher A1
Informatiker Polyvalente Büroangestellte (mehrsprachig)
technisch-kaufmännische Angestellte,
Kostenkalkulator (Baufach)
Bank- und Versicherungsangestellte
Angestellte im Bereich Lagerhaltung
Arbeiter in Landwirtschaft und Gartenbau: Gärtner, Landschaftsgestalter
Sanitär- und Heizungsinstallateure
Metallarbeiter: Monteur, Schlosser/Metallbauer, Schweißer, Dreher/Fräser, KFZ- und Landmaschinenmechaniker
Elektriker/ Elektroreparateure
Zimmermann und Tischler
Dachdecker Baufach: Maurer, Verschaler, Betonbauer, Pliesterer, Fliesenleger, Anstreicher, Glaser
Liste der Mangelberufe in der FG Quelle: Forem, Stand 2014Für das technische/berufliche Sekundarwesen der Oberstufe:

Metzger, Klimatechniker, Heizungsfachmann, Kältetechniker, Fahrer von Baustellenfahrzeugen, Baugewerbe (alle Sparten), Koch, Bauzeichner, Elektriker, Krankenpfleger, Informatiker, Bäcker, Kinderpfleger, Metallverarbeiter, Berufe im Bereich Holz.

Für das berufsorientierte Hochschulstudium (Bakkalaureat):

Sozialassistent, Sprachenlehrer für germanische Sprachen, Lehrer für Mathematik und Wissenschaften (Biologie, Physik, Chemie), Lehrer für Französisch, Lehrer für Humanwissenschaften (Geschichte, Sozialkunde…), Lehrer für Wirtschaftswissenschaften, Lehrer für technischen Unterricht, Mechanik, Elektromechanik, Elektrizität, Elektronik) Ergotherapeuten, Immobilienfachmann, Informatiker, Kindergärtner.

Für das Hochschulwesen (Bakkalaureat und Master):

Germanische Sprachen, Mathematik, Französisch, Wissenschaften (Biologie, Physik, Chemie), Geographie, Geschichte, Wirtschaftswissenschaften, Informatiker, Zivilingenieur, Industrieingenieur, Übersetzer FR/NL oder NL/FR.

Grenzpendler

kap-soziale_sicherheit-grenzpendlerDie nebenstehende Graphik aus dem Statistikamt der DG illustriert, wohin die Arbeitnehmer der DG täglich auspendeln. Und woher die Arbeitnehmer kommen, die in den Betrieben der DG arbeiten, jedoch nicht in der DG wohnen. Es wird ersichtlich, dass mehr Arbeitskräfte aus der DG nach Deutschland und Luxemburg pendeln, als umgekehrt. Quelle: DG-Stat

Studentin sucht Arbeit

Noch ist Christine Meyer zu jung, aber im kommenden Jahr wird sie einen Studentenjob annehmen können. Damit junge Menschen, die von Eltern ohne großem Vermögen abstammen, überhaupt studieren können, hat der belgische Staat sich einiges einfallen lassen. Mittlerweile gehören die verschiedenen Maßnahmen zu den Selbstverständlichkeiten studentischen Lebens. Das war aber nicht immer so. Ein Studium muss man sich erst leisten können. Damit die Tochter von Bernd Meyer später überhaupt ein Hochschulstudium als Dolmetscherin absolvieren kann, hilft die öffentliche Hand:

Wo finde ich passende Infos?

Infotreff Eupen und Umgebung V.o.G. Jugendinformationszentrum

Gospertstraße 24 B – 4700 Eupen

Tel: +32 (0)87 744 119 E-Mail: infotreff@jugendinfo.be

JIZ Jugendinformationszentrum des Südens der DG V.o.G.

Vennbahnstraße 4/5 B – 4780 St.Vith

Tel: +32 (0)80 221 567 E-Mail: jiz@jugendinfo.be

Indem sie Studienbeihilfen gewährt: Damit wird sie einen Teil der Miete ihrer Studentenwohnung bezahlen können, sowie einen Teil der Bus- und Zugtickets. Für die Einschreibegebühr, die Bücher und Hefte reicht die Studienbörse nicht mehr. Deshalb erlaubt der Staat ihr …

Einem Studentenjob nachzugehen: statt der üblichen Beiträge für das Landesamt für Soziale Sicherheit braucht sie nur einen geringen Beitrag von 2,5 %  des Bruttolohns zu entrichten. Während dieser Arbeitszeit war sie von ihrem Arbeitgeber gegen Arbeitsunfälle versichert. Wird sie krank, dann …

kap-soziale_sicherheit-inamiGreift die Kranken- und Invalidenversicherung des Vaters ein: und zwar bis zum Abschluss ihres Studiums, obwohl sie selbst bis dahin nichts eingezahlt haben wird. Ab dem 25. Lebensjahr gilt sie nicht mehr als zu Lasten des Vaters und muss sich selber krankenversichern.  Da aber ein Studium wesentlich mehr kostet, entschied der Staat, dass für Christine Meyer …

kap-soziale_sicherheit-onaftsKindergeld gezahlt wird: bis sie ihr Studium beendet hat (max. bis 25 Jahre). Davon zahlen die Eltern ihr das Taschengeld, die Kleider, die Nahrung … Und solange sie zu Lasten gilt, profitieren die Eltern auch …

Vom erhöhten Einkommenssteuerfreibetrag: ein Teil des elterlichen Einkommens wird nicht zu versteuern sein, solange sie zu Lasten ist. Und wenn sie nach dem Studium nicht sofort eine Arbeit findet, hat sie Anrecht auf …

kap-soziale_sicherheit-onemEingliederungsgeld (nach „Absitzen“ einer Berufseingleiderungszeit): es ist wichtig, dass sie sich rechtzeitig beim Arbeitsamt einträgt. Um ihr zu helfen, eine Arbeit zu finden, organisiert das Arbeitsamt …

Die Arbeitsvermittlung für Schulabgänger: hier wird Jugendlichen gezielt geholfen, eine Arbeitsstelle zu finden, die ihrem Studium entspricht.

Darüber nachzudenken, erschien Bernd Meyer bisher als reine Zeitverschwendung. Nach dem Unfall seines Sohnes ist er froh, dass er dennoch der Tochter diese Perspektive bieten kann. Mit eigenem Einkommen allein ist das nicht zu schaffen. Wenn nicht „Vater Staat“ kräftig mithilft, wird Christine nach dem Abitur arbeiten müssen anstatt ein Dolmetscherstudium zu beginnen.

Ein System gerät in Bedrängnis

kap-soziale_sicherheit-bernd-lisalDie Presse ist  täglich voll von Berichten über Betriebsschließungen, über Massenentlassungen und über die Proteste der Arbeitnehmer. Die Folge der Betriebsschließungen ist, dass die Zahl der Arbeitslosen sich langfristig hält oder gar ansteigt.

Selbst in Zeiten von Wirtschaftswachstum stellen wir fest, dass die Arbeitslosenzahlen nicht dementsprechend abnehmen. Als Grund hierfür kann vermutet werden, dass die Unternehmen in Rationalisierungsmaßnahmen investieren: anstelle von Mitarbeitern werden Maschinen, Computer, Roboter … angeschafft, welche die Arbeit übernehmen und die mit nur geringem Personalaufwand beaufsichtigt werden. Diese Rationalisierungsmaßnahmen werden vom Staat bezuschusst.

Da Waren leicht aus dem Ausland importiert werden können, steigern viele Unternehmen ihre Gewinnmargen dadurch, dass sie Produktionsteile oder ganze Betriebe ins Ausland (oft in Billiglohnländer) verlagern.

Die Betriebsneugründungen reichen nicht aus, um im Tempo, wie Arbeitsplätze verloren gehen, neue zu schaffen. Darüber hinaus werden diese neuen Arbeitsplätze eher denen zuerkannt, die als neue, junge Arbeitnehmer auf den Markt drängen: sie kosten weniger und sind im Schnitt physisch belastbarer als ihre älteren Vorgänger. Aber sie verfügen nicht über Berufserfahrung.

kap-soziale_sicherheit-ottoMit der langen Dauer der Arbeitslosigkeit von immer mehr Personen und mit der globalen Zahl an Arbeitslosen überhaupt steigt auch die finanzielle Belastung des Systems der Arbeitslosenentschädigung. Die Kosten explodieren, die Einnahmen stagnieren.

Die Debatte ist schwierig und niemand hat bisher die Ideallösung gefunden. Es gibt Teilantworten, so etwa die Verringerung der Sozialbeiträge als Mittel zur Kostensenkung. Es bleibt zu prüfen, ob die Unternehmen diese Einsparungen auch tatsächlich nutzen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

kap-soziale_sicherheit-arbeitslosigkeit08Die Debatte über die Arbeitslosigkeit bleibt nicht ohne Folge auf die Arbeitslosen selbst. Sie befinden sich in einer höchst unangenehmen Situation: Mangel an Perspektiven, ihre Ausbildung wird nicht gebraucht. Darüber hinaus werden sie oft von ihrer Umgebung als Ausbeuter des Systems abgelehnt. Der Begriff des „Sozialschmarotzers“ treibt diese Menschen immer tiefer in einen sozialen Teufelskreis, geprägt von Isolation, Unterqualifizierung und Perspektivlosigkeit, aus der es danach ohne Hilfe kein Entrinnen mehr gibt.

Fallbeispiel - Lohnt sich die Arbeit?

kap-soziale_sicherheit-onemEin junger Mann von 22 Jahren ist zurzeit auf Arbeitssuche. Im Moment lebt er in einer klei-nen Wohnung, ein Zimmer, Küche, Bad. Sein Einkommen bezieht er über das ÖSHZ  seiner Gemeinde und ist im Grunde ganz zufrieden, da er sich nebenbei bei einem Bauer noch ein paar Euros dazu verdienen kann. So verfügt er im Monat über circa 1250 € abzüglich seiner Kosten, Strom, Wasser, Miete…einige Ortschaften weiter wird ihm eine Stelle in einem Sägewerk angeboten. Hier soll er einen Stundenlohn von 14,5 € brutto erhalten. Er setzt sich an seinen Tisch, fängt anzurechnen: bei einer 38 Stunden Woche und vier Wochen im Monat macht das 152 Stunden pro Monat aus. 152 Stunden mal 14,5 Euro macht einen Bruttolohn pro Monat von 2204 € aus. Da ist in Schichten arbeiten soll, kommen noch 7 % Schichtzulagen hinzu macht also Bruttoverdienst von 2358,28 € pro Monat aus. Da er Junggeselle ist, rechnet er mit einem Steuerabzug von 38 Prozent zzgl. 6 % Gemeindesteuer macht insgesamt eine Einkommensteuer von 44 % aus. 2358 € weniger 44 % machen netto im Monat 1320 € aus. Jetzt stellt er sich die Frage : da er in Schichten arbeiten soll braucht er ja auch noch ein Auto. Doch für den Ankauf fehlt ihm das Geld. Einen Kredit bekommt er zur Zeit noch nicht. Er soll wählen: um sich ein Auto kaufen zu können, Schulden machen, damit er am Ende des Monats weniger Geld hat als ohne Arbeit? Er stellt sich die Frage, ob er täglich morgens um 5:00 Uhr aufstehen soll, um zeitig zur Frühschicht zu kommen? Oder auch, ob er bei Spätschicht erst am Abend um 23:00 Uhr zu Hause sein wird?

Fallbeispiel - Auf Jobsuche

kap-soziale_sicherheit-onemCarlo, der Sohn aus erster Ehe von Henriette, hat vor zwei Jahren seine Sekundarausbildung beendet. Er hatte eine technische Abteilung in einer Eupener Schule besucht.  Danach versuchte er, eine Hochschulausbildung zu absolvieren. Im ersten Jahr war er durchgefallen. Als er später das Jahr wiederholt, stellt er fest, dass er doch lieber manuell arbeiten möchte. Er hat sich beim Arbeitsamt eingetragen und sucht nun täglich nach Stellenangeboten. Im Moment bezieht er noch kein Arbeitslosengeld.

„Zum Glück, sagt er sich, hat er ein Abiturdiplom in der Tasche.“ Denn die aktuelle Föderalregierung beabsichtigt, jedem, der keinen Sekundarabschluss vorweisen kann, das Eingliederungseinkommen (früher das Wartegeld) zu verweigern.