Der belgische Sozialstaat steht vor Herausforderungen, die ihn zum Handeln zwingen. Geschieht dies nicht oder einseitig, drohen wir, in eine Ellenbogengesellschaft abzudriften. Um den richtigen Weg zu finden, brauchen wir eine Diskussion, an der sich nicht nur Technokraten und Politiker sondern jedermann beteiligen kann und soll.

Vorwort


Soziale Sicherheit, ein Fremdwort? Für viele vielleicht. Denn sie gehört inzwischen zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags…. in Westeuropa, in Belgien! Doch in wie vielen Ländern der Welt können die Menschen davon ausgehen, dass sie im Fall von Krankheit, von Invalidität, von Arbeitsunfall oder von Berufskrankheit von der Allgemeinheit geschützt und unterstützt werden? Dass die Allgemeinheit ihnen dann auch noch ein Einkommen gewährt, wenn sie alt sind oder wenn sie ihre Arbeit verlieren? In wie vielen Ländern hilft die Allgemeinheit dem Einzelnen, dass dessen Kinder lernen dürfen und nicht arbeiten müssen?

Die vorliegende Broschüre stellt die Frage, warum es einen Unterschied zwischen Brutto- und Nettolöhnen gibt. Und was mit diesem Unterschied gemacht wird. Seit die belgische Soziale Sicherheit aufgebaut wurde, haben die sozialen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich verändert.

Muss sich dann nicht auch die soziale Absicherung dem Lauf der Zeit anpassen und auf die heute akuten Fragen neue, angepasste Antworten geben? Auch diese Debatte gehört zu den Kernfragen, denen wir uns stellen müssen, wenn wir auf die Frage antworten wollen, warum nicht jeder Einzelne für sich selber aufkommen sondern jeder für alle und alle für jeden einstehen soll.

Die Soziale Sicherheit hat sich im Verlauf der Jahrzehnte verändert und angepasst. Doch die radikalste Änderung steht uns jetzt bevor. Die Soziale Sicherheit gehört noch zu den Selbstverständlichkeiten in Belgien, doch wie lange noch – wenn in einer Zeit der knappen Mittel und der Globalisierung Sozialleistungen gekürzt und Menschen immer mehr auf sich selbst gestellt sind?

Es geht um Grundwerte, um die Frage danach, in welcher Gesellschaft wir leben wollen: in einer Ellenbogengesellschaft, in der sich derjenige durchsetzt, der stärker, lauter bzw. reicher ist? Oder derjenige, der den besseren Zugang zur Presse hat? Oder in einer Gesellschaft mit Chancengleichheit für alle, mit sozialer Gerechtigkeit? Verlieren wir bitte bei all den Diskussionen nicht aus den Augen, dass zurzeit die Armut in Belgien (auch in der DG) an Boden gewinnt. Wer genau hinsieht, wird sie in all ihrer Vielfalt entdecken. Doch dazu gehört Mut!

Die vorliegende Broschüre wurde angereichert durch Fallbeispiele, welche subjektiv aus der Sicht des Betroffenen wiedergeben, wie die Lebenswirklichkeit aussieht. Denn es geht nicht um eine Theorie, sondern um den Alltag der Menschen.

Wir wünschen eine aufschlussreiche Lektüre und viel Spaß bei der Auseinandersetzung mit einem Thema, für dessen Aufbau Generationen vor uns den Kopf hingehalten haben.

Die Mitarbeiter der KAP