Gesundheit hat ihren Preis

Als die Kinderarbeit und die schwierige körperliche Arbeit noch an der Tages-ordnung waren, war die Lebenserwartung der Menschen längst nicht so hoch wie heute. Es ist eine Errungenschaft des Sozialstaats, nicht nur die Lebens-erwartung eines jeden einzelnen, sondern auch die Lebenserwartung bei guter Gesundheit verbessert zu haben. Die Schwiegereltern von Bernd Meyer wären wahrscheinlich bereits tot, wenn sie vor gut einem Jahrhundert gelebt hätten. Menschen in der gesundheitlichen Verfassung wie Bernd Meyers Schwiegerva-ter hätten vor hundert Jahren garantiert nicht das Geld gehabt, um sich eine vernünftige medizinische Betreuung zu leisten.

INAMI oder in Deutsch LIKIV ist die Bezeichnung jener halbstaatlichen Einrichtung, die mit Hilfe der Krankenkassen die Kranken- und Invalidenversicherung gewährleistet. Die Krankenkasse zahlt den Teil an den Kranken aus, der gesetzlich festgelegt ist. Dadurch wird vermieden, dass jemand wegen Krankheit und der daraus entstehenden Behandlungskosten auch noch arm wird. Für den vorliegenden Bedarf unterscheiden wir zwischen drei grundlegenden Aspekten:

  • die Rückerstattung von medizinischen oder pharmazeutischen Behandlungskosten,
  • die Zahlung von Ersatzeinkommen an kranke Arbeitnehmer,
  • die Zahlung des Mutterschaftsurlaubs.

Rückerstattung von Behandlungskosten

Das Drittzahlersystem und der Eigenanteil des Patienten

kap-soziale_sicherheit-gesundheit3Wir hegen den Anspruch, dass jeder – wenn er krank ist – Anrecht auf die bestmögliche medizinische Behandlung haben muss. Dies muss unabhängig vom Einkommen des Patienten möglich sein.  Diesem Anspruch können wir nur über ein System gerecht werden, in das alle einzahlen und von dem jeder profitieren kann, wenn er betroffen ist.

Und wir hegen den Anspruch, dass nicht nur der Arbeitnehmer selbst, sondern auch dessen Angehörige die bestmögliche Pflege in Anspruch nehmen können sollen. Wer ist anspruchsberechtigt?

Gesundheit ist auch eine Frage von Geld: man muss sie sich leisten können.

kap-soziale_sicherheit-inamiDie Krankenversicherung beschränkt sich nicht auf Arbeitnehmer, Selbstständige und Beamte, denn auch Arbeitslose, Behinderte, Rentner, Waisen, Sozialhilfeempfänger usw. sowie die Personen zu ihren Lasten, welche die entsprechenden Bedingungen erfüllen, können medizinische Leistungen beanspruchen: Ehegatten, Mitbewohner, Kinder, Enkelkinder, Urenkel, usw.

Jeder muss einer Krankenkasse angeschlossen sein. Die Mitgliedschaft ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Wahl der Krankenkasse ist frei. Neben der gesetzlichen Pflichtversicherung bieten alle Krankenkassen Zusatzversicherungen freiwilliger Art an.

kap-soziale_sicherheit-gesundheit4Die Kosten für medizinische Prävention als auch für die Heilung des Patienten werden von der Krankenkasse (ganz oder teilweise) rückerstattet. Die ärztlichen Leistungen werden in 25 unterschiedliche Kategorien aufgeteilt. Einige Beispiele: Behandlungen durch  Allgemeinmediziner sowie Fachärzte, Physiotherapeuten, Zahnarztbehandlungen, Entbindungen,  Arzneimittel, Krankenhausbehandlungen, Rehabilitation des Patienten.

Neben Arbeitnehmern und Beamten haben auch Selbstständige Anspruch auf ärztliche Leistungen. Diese beschränken sich allerdings auf die sogenannten “großen Risiken” (Entbindung, Krankenhausaufenthalt, Palliativpflege, Nierendialyse ….).  Die kleinen Risiken (Hausarzt- und Facharztbesuche, Zahnarztbehandlungen, usw.) können über eine Zusatzversicherung bei einer Krankenkasse versichert werden. Dafür sind Sonderbeiträge zu zahlen.

Beim Arztbesuch muss der gesamte Betrag vorab bezahlt werden: der Patient erhält eine ärztliche Bescheinigung oder ein Attest. Das Attest oder die Bescheinigung wird anschließend bei der Krankenkasse eingereicht, die den gezahlten Betrag teilweise erstattet. Grundsätzlich beträgt die Eigenbeteiligung 25 %. Sie kann jedoch je nach Leistungsart höher sein.

VIPO’s (Witwen, Witwer, Invaliden, Pensioniere, Waisen) sowie Empfänger einer Sozialhilfe profitieren von einer Vorzugsregelung, da ihnen höhere Beträge erstattet werden.

Beim Apothekenbesuch braucht der Patient nicht den vollen Betrag vorzustrecken, insofern es sich um ein in Belgien zugelassenes Medikament handelt. Mit der früheren SIS-Karte, aktuell mit dem Personalausweis wird das Drittzahlersystem aktiviert. Die Kassen übernehmen sofort ihren Anteil an den Kosten. VIPO’s haben Anspruch auf erhöhte Rückzahlungsansprüche.

kap-soziale_sicherheit-gesundheit5Es gibt sieben Kategorien, gemäß denen Medikamente rückerstattet werden:  A, B, C, Cs, Cx, Fa und Fb. Die Medikamente der Kategorien A, B, C, Fa und Fb gelten als für die Behandlung unerlässliche  Medikamente und werden je nach ihrem medizinisch-therapeutischen Nutzen klassiert. In der Kategorie A befinden sich die lebenswichtigen Medikamente, z.B. die zur Behandlung von Diabetes oder Krebs. Andere wichtige Medikamente befinden sich in der Gruppe B, so z.B. Antibiotika. Die Medikamente zur Behandlung von Symptomen findet man in der Gruppe C, so z.B. die Medikamente welche bei einer chronischen Bronchitis den Schleim verflüssigen. Die Gruppe D umfass die Medikamente, die in keiner der vorher zitierten Kategorien untergebracht wurden – z.B. Beruhigungsmittel oder Schlafmittel. Für die Medikamente der Gruppe Fa und FB wird ein fester Rückerstattungsbetrag festgelegt.

kap-soziale_sicherheit-gesundheit6Was ist ein Generikum? Die Pharmafirmen verwenden oft jahrelange Arbeit auf die Entwicklung eines Medikaments. Diese kosten dem Patienten und dem Staat teuer. Nach einiger Zeit sind die Patente abge-laufen und es dürfen Kopien der wirksamen Moleküle (Generikum) erstellt werden. Sobald diese in den Handel kommen, verfügen die Ärzte über den geeigneten Wirkstoff, aber zu einem billigeren Preis. Damit sparen der Patient und die Krankenkasse.

kap-soziale_sicherheit-renten03Krankenhausaufenthalte: Neben Arzneimittelkosten trägt die Krankenkasse bei einem Aufenthalt in einem allgemeinen Krankenhaus verschiedene Pauschalkosten, z.B. für die Belegung eines Zimmers.

Belegen Sie ein Einzelzimmer oder ein Zweibettzimmer, kann das Krankenhaus Ihnen höhere Beträge für das Zimmer und die Behandlungskosten in Rechnung stellen. Diese müssen zum Zeitpunkt der Aufnahme ins Krankenhaus mitgeteilt werden. Sie erklären sich mit diesen Beträgen ausdrücklich und schriftlich einverstanden.

Der Rest des Krankenhausaufenthalts wird von der Krankenkasse übernommen. Einige Krankenkassen gehen dazu über, die Vorfinanzierung eines Spitalbesuchs vollständig zu übernehmen.

kap-soziale_sicherheit-gesundheit7Nicht nur Aufenthalte in einem allgemeinen Krankenhaus oder in einer psychiatrischen Klinik geben Anrecht auf eine Pauschalbeihilfe seitens der Versicherung, sondern auch die Leistungen, die in Alten- und Pflegeheimen, psychiatrischen Anstalten, Wohnheimen und/oder Gemeinschaftseinrichtungen für betagte Menschen, Tagespflegestätten erbracht werden.

Eine Frage der sozialen Gerechtigkeit!

Der fakturierbare Höchstbetrag (fHb oder Màf: maximum à facturer)

Damit einem beim Arztbesuch das Lächeln nicht vergeht….

kap-soziale_sicherheit-gesundheit2Die Einführung eines zu berechnenden Maximums am Eigenanteil, der dem Patienten zu Lasten fällt, ist eine Maßnahme im Bereich der sozialen Absicherung der Patienten. Hierdurch bekommt jede Familie die Gewähr, für die notwendige und  erforderliche Behandlung einer Krankheit nicht mehr als einen bestimmten Betrag selbst bezahlen zu müssen.

Wer weniger verdient, zahlt weniger: Der Betrag, der vom Patienten für die Behandlung seiner Krankheit verlangt werden kann, hängt von dessen Familien-Einkommen ab. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr an Eigenbeteiligung. Wer weniger verdient, wird schneller vom Eigenanteil an den Behandlungskosten befreit. Da dieses System nicht nur auf den unmittelbaren Nutznießer allein, sondern auch auf dessen Familienangehörige anwendbar ist, sollte diese Maßnahme als ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit verstanden werden.

Gesetzliche Tarife sind maßgebend: Für die Berechnung des Maximums, das dem Patienten abverlangt werden darf, geht man aus von den gesetzlich festgelegten Tarifen, die ein Arzt oder ein Krankenhaus fragen können. Auf Basis dieser Tarife wird ermittelt, wie viel die Krankenkasse bereits rückerstattet hat. Der Unterschied wird als Eigenanteil des Patienten berechnet.  In Betracht kommen die Dienste eines Allgemeinmediziners (Hausarzt) oder eines Spezialisten (innerhalb oder außerhalb eines Krankenhauses), aber auch die eines Kinesitherapeuten, eines Krankenpflegers oder von Paramedizinern, ferner bestimmte Krankenhauskosten (z.B. der Eigenanteil an den Tageskosten, die Pauschale bei der Aufnahme ins Krankenhaus …) und schließlich die der Medikamente aus den Kategorien A und B.

Schnellere Rückerstattung: Eine wichtige Eigenart des Systems liegt darin, dass Haushalten mit geringem oder bescheidenem Einkommen  eine schnelle Rückerstattung des Betrags zugestanden wird, der über dem festgelegten Maximum liegt.

Welche Kosten werden in Betracht gezogen?

  • Honorare: von Ärzten, Kinesitherapeuten, Krankenpfleger, Paramediziner usw.
  • Kosten für technische Behandlung: Röntgenaufnahmen, chirurgische Eingriffe, technische Untersuchungen, Laboruntersuchungen usw.
  • „unverzichtbare“ Medikamente: es handelt sich dabei um die Medikamente der Kategorien A, B. und C. Die Kategorie, der ein Medikament angehört, steht deutlich auf der Verpackung draufgeschrieben.
  • Kosten für Krankenhausaufenthalt:  insbesondere den Eigenanteil des Patienten am Tagespreis. Die in Betracht zu ziehenden Kosten werden allerdings auf die ersten drei Monate in einem allgemeinen Krankenhaus und auf die ersten 12 Monate in einem psychiatrischen Krankenhaus begrenzt.
  • Zuschläge für die Nutzung von Material (ab dem 01.04.2003): Mehrkosten für endoskopisches Material und für Material für Viscerosynthese (zur Behandlung chi-rurgischer Wunden) werden zu mindestens 10 % von der Krankenkasse rückerstattet. Der Rest wird mit dem Höchstbetrag der Eigenbeteiligung verrechnet. Für alles andere Material darf ein Krankenhaus keine Mehrkosten mehr berechnen.
  • medizinische Ernährung (ab dem 01.01.2003): nach Anfrage beim Vertrauensarzt werden die Kosten für medizinisch verordnete Ernährung für Kinder bis 15 Jahre mit dem Höchstbetrag der Eigenbeteiligung verrechnet.

Ersatzeinkommen im Krankheitsfall

Eine Frage des Überlebens

Quelle: www.minsoc.fgov.be – In Krankheitsfällen werden dem Anspruchsberechtigten nicht nur krankheitsbedingte Kosten zurückgezahlt, sondern darüber hinaus besteht ein Anspruch auf Entschädigungen, die Einkommensausfälle ausgleichen. Dieses System bezieht sich nur auf Krankheiten und Unfälle, die sich im Privatbereich ereignet haben. Die sich möglicherweise auf Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten beziehenden Bestimmungen werden an anderer Stelle aufgeführt, da sie besonderen Bestimmungen unterliegen.

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A. Arbeitnehmer

Die Erwerbsunfähigkeit besteht aus zwei Abschnitten: der primären Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität.

Die primäre Erwerbsunfähigkeit dauert maximal ein Jahr: sie beginnt an dem Tag, an dem der Arbeitnehmer erwerbsunfähig wird. Während der ersten dreißig Tage primärer Erwerbsunfähigkeit erhalten Sie zu Lasten Ihres Versicherungsträgers 60 % Ihres Lohnes. Die primäre Erwerbsunfähigkeit endet, sobald die Arbeit wieder aufgenommen wird.

Die Invalidität beginnt nach einem Jahr primärer Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird vom Ärzterat des LIKIV (INAMI) aufgrund eines Berichts des Vertrauensarztes des Versicherungsträgers festgestellt. Das Ende der Invalidität wird entweder vom Vertrauensarzt oder vom Inspektor-Arzt festgestellt.

Zur Festlegung des Betrages der Invaliditätsentschädigung wird ebenfalls der Familienstand des Anspruchsberechtigten berücksichtigt und auch, ob er sein einziges Einkommen verloren hat oder nicht. Unterhaltspflichtige Anspruchsberechtigte haben Anrecht auf eine Entschädigung in Höhe von 65 % des Lohns.

Bei den übrigen Anspruchsberechtigten ohne Familienlast wird der Satz der Invaliditätsentschädigung auf 50 % oder 40 % desselben Lohns begrenzt, je nachdem, ob der Anspruchsberechtigte allein lebt oder Mitbewohner ist.

B. Selbstständige

Selbstständige müssen sich genauso wie Arbeitnehmer bei einem Versicherungsträger eintragen lassen und eine Wartezeit von sechs Monaten absolvieren.

Im ersten Jahr hängt die Bewertung der Erwerbsunfähigkeit von dem Beruf ab, den der Selbstständige vor seiner Erwerbsunfähigkeit ausübte. Danach werden gleichwertige Berufe herangezogen.

Bei Selbstständigen wird die Erwerbsunfähigkeit in drei Zeiträume aufgeteilt:

  • einen einmonatigen Zeitraum, in dem keine Auszahlung geleistet wird;
  • einen elfmonatigen Zeitraum, während dem die primäre Erwerbsunfähigkeit vergütet wird;
  • nach einem Jahr primärer Erwerbsunfähigkeit beginnt der Invaliditätszeitraum.

Den Selbstständigen wird kein Prozentsatz des entgangenen Einkommens, sondern ein Pauschalbetrag gezahlt, der sich nach ihrer familienrechtlichen Lage richtet.

C. Beamte

kap-soziale_sicherheit-gesundheit10Das Krankheitsrisiko wird durch eine Sonderregelung gedeckt, die die Erwerbsunfähigkeit in Krankheitstagen festlegt. Pro 12 Monate Dienstalter werden 21 Werktage als Krankheitstage gewährt, jedoch mindestens 63 Werktage für die ersten drei Dienstjahre. Während des Krankheitsurlaubs erhält der Beamte weiterhin 100 % seiner Bezüge. Das System galt auch für beamtete Lehrer, wurde jedoch von der DG abgeändert. Die Zahl der zustehenden Krankheitstage wurde nach unten revidiert.

Wenn der Beamte alle ihm zustehenden Krankheitstage aufgebraucht hat, wird er krankheitsbedingt in den einstweiligen Ruhestand versetzt (Invalidität). In diesem Fall erhält er ein Wartegehalt, das 60 % seines letzten Gehalts im Dienst entspricht, und zwar unabhängig von seiner familienrechtlichen Lage.

Zahlen, Daten, Fakten

Die Gesamtzahl der im Krankheitsfall Versicherten liegt bei 10.708.208 Personen (Juni 2011).

Diese Zahl schlüsselt sich wie folgt auf:

Berechtigte Personen zu Lasten Total
Partner Eltern Kinder
Aktive*Invalide

Behinderte

Pensionierte

Witwen und Waisen

Relig. Gemeinschaft

Im Nationalregister eingetragene Person

4.870.107279.684

72.872

1.482.476

364.029

1.993

166.317

326.89327.618

3.285

353.850

2.102

0

20.614

15.408856

201

384

161

0

723

2.475.864102.136

9.308

33.971

23.521

0

73.735

7.688.272410.294

85.666

1.870.781

389.813

1.993

261.389

Total 7.237.578 734.362 17.733 2.718.535 10.708.208

* Arbeitnehmer, Arbeitssuchende, Frühpensionierte
Quelle : Vademecum der Sozialen Sicherheit, Ausgabe 2014

Aufschlussreich ist es, zu beobachten, zu welchem Zeitpunkt im Leben eines Menschen der Sozialstaat wie viel ausgibt für die Gesundheit seiner Bürger. Nachstehend die Ausgabentabelle 2011, bezogen auf das Regime der Selbständigen und der Arbeitnehmer.

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Quelle: Vademecum der Sozialen Sicherheit 2014, Seite 317

Insgesamt gibt das belgische Gesundheitssystem in 2012 um die 31 bis 32 Milliarden Euro aus, um den Menschen die Kosten der medizinischen Behandlung teilweise rückzuerstatten und um denen einkommensmäßig über die Runden zu helfen, die krankheitsbedingt bei der Arbeit ausfallen. Dabei fällt auf, dass mit zunehmendem Alter die Ausgaben in der Krankenversorgung ansteigen. Die meisten der Ausgaben fallen in das letzte Lebensjahrzehnt eines Menschen.

Ausgaben in Höhe von abgerundet 5,76 Milliarden Euro als Lohn-Ersatz für Arbeitnehmer

Im Schnitt waren ein Arbeiter 12 Tage und ein Angestellter 5,5 Tage im Jahr krankgeschrieben. Wenn es sich um Arbeitnehmer handelt, die noch nicht (befristet oder unbefristet) arbeitsunfähig geschrieben sind, liegt die durchschnittliche Entschädigung bei etwa 43,9 € pro Tag, mit einer Spannbreite von 54,8 € für Männer (Angestellte) und 36,7 € für Frauen (Arbeiterinnen). Das verursacht Kosten in Höhe von abgerundet 1,5 Milliarden Euro. (NB. Bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber im ersten Monat das Gehalt weiter).

kap-soziale_sicherheit-gesundheit9Die Zahl derer, die als Invalide anerkannt wurden, steigt von 2011 bis 2012 von 269.499 auf 283.541 Personen. Hier liegt die durchschnittliche Entschädigung bei 43.14€/Tag. Die Kosten werden auf 3.66 Milliarden € geschätzt.

Rund 1,7 Millionen Arbeiterinnen unter 45 Jahren sind hinsichtlich der Mutterschaft über ihre Krankenkasse versichert. Etwa 7,1 Millionen Arbeitstage wurden als Mutterschaftsurlaub entschädigt, 2,6 Millionen Arbeitstage als Entschädigung für die Perioden, wo die Schwangere vom Arbeitsplatz entfernt wurde und 0,4 Millionen Arbeitstage als Vaterschaftsurlaub. Kostenaufwand: rund 0,6 Milliarden €.

Ausgaben in Höhe von abgerundet 359 Millionen € (2012) zugunsten der Selbstständigen

Mit 2 Millionen (wegen Krankheit) entschädigten Arbeitstagen während der primären Arbeitsunfähigkeit (bevor die Person befristet oder unbefristet arbeitsunfähig geschrieben wird)  und einem durchschnittlichen Entschädigungssatz von 35,3 €/Tag liegen die Ausgaben bei etwa 75,4 Millionen €.

Rund 20.900 Selbstständige werden nach der ersten Zeit der Arbeitsunfähigkeit für eine längere Dauer arbeitsunfähig geschrieben. Rund 6,3 Millionen Arbeitstage müssen entschädigt werden (mit einer durchschnittlichen Entschädigung von 36 € pro Tag): Kostenpunkt: etwa 259 Millionen Euro.

Von den 96.692 versicherten Frauen unter 45 Jahren, haben in 2012  5.489 ein Kind zur Welt gebracht. Der Satz der Entschädigung pro Geburt lag bei 2.026 €, bzw. insgesamt bei 17,1 Millionen €.

Die Ausgaben für die direkten Interventionen der Sozialen Sicherheit zugunsten der Behandlung von Patienten liegen in 2012 bei 25 Milliarden €.

Insgesamt hat die Sozisicherheit 24.984.852.000 € in 2012 ausgegeben, damit die Belgier sich gesund pflegen konnten.

Einige Fragen stellen sich ..

Ein System steht vor dem Infarkt

kap-soziale_sicherheit-gesundheitDa die Kosten im Gesundheitssektor explodieren, ist die Regierung gezwungen, einige Sparmaßnahmen in die Wege zu leiten, damit das System vor dem finanziellen Kollaps gewahrt werden kann. Die eingeschlagene Sparpolitik, gekoppelt mit einer drastischen Erhöhung der Ausgaben für das Gesundheitswesen, wird in den kommenden Jahren beibehalten werden müssen.

Den Anspruch, dass jedem – unabhängig von seinem Einkommen – die bestmögliche Behandlung zuteil werden muss, sollte auch in Zukunft die Richtschnur des politischen Handelns sein. Es sollte nicht darauf hinauslaufen, dass dem Raucher gesagt wird, er habe seine Lunge zerstört und müsse daher selber für die Behandlung aufkommen. Was dem Raucher gesagt werden kann, wird danach dem Sportler, dem Autofahrer, … auch gesagt. Das wäre der Beginn einer Zweiklassenmedizin.

Jeder sollte verantwortlich mit seiner Gesundheit umgehen:

Und trotzdem sollten die Menschen sensibilisiert werden, dass jeder für seine eigene Gesundheit auch eine Verantwortung zu tragen hat. Dass es nicht selbstverständlich ist, wenn die Öffentlichkeit die Behandlungskosten in dem Maß übernimmt, wie sie das z.Z. tut. Es sollten folglich die Maximen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Medizin gelten. Dieser wird sich an mehreren Fragestellungen orientieren:

  • Wie sind die Kosten in den Griff zu kriegen, insbesondere diejenigen, die durch eine teure Apparatemedizin entstehen? Vor diesem Hintergrund gesehen, ist es alles andere als selbstverständlich, dass die kleine Deutschsprachige Gemeinschaft einen Kernspintomographen zugesprochen bekam, bzw. gleich zwei Krankenhäuser betreibt.
  • kap-soziale_sicherheit-inamiNicht nur die Apparatemedizin sondern auch die Kosten für Medikamente tragen zu einer problematischen Entwicklung bei. Der Gesetzgeber hat daher als Alternative zu den meist teuren Originalmedikamenten die Verwendung von Generika vorgeschrieben, die in der Praxis allerdings noch viel zu wenig in Anspruch genommen wird.
  • Die Zahl der Belegungstage in den Krankenhäusern konnte und musste eingedämmt werden. Dies geschah anhand von Pflegemodellen, die zu einer kürzeren Verweildauer des Patienten im Krankenhaus und zu einer größeren Inanspruchnahme ambulanter Pflege führten. Doch auch hier sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.
  • Es gab in der Vergangenheit einen Überkonsum an Arztbesuchen. Jeder Arzt schafft in seinem Umfeld eine Nachfrage nach Medizin. Die Folge war, dass die Kostenentwicklung das System ins Schwanken brachte. Um den Überkonsum abzubauen, wurde daran gearbeitet, die Zahl der Ärzte zu mindern, indem der Zugang zum Medizinstudium an Bedingungen (Numerus Klausus) gebunden wurde. Inzwischen rückt man wieder von dieser Praxis ab, denn sie hat zu einem Ärztemangel geführt – insbesondere im Bereich der Allgemeinmedizin. Zur Zeit stellt sich die Frage, ob jeder Student der Medizin eine Inami-Nummer bekommt (d.h. eine Erlaubnis, als Arzt zu arbeiten)
  • Wie lange kann das System dem steigenden Bedarf standhalten? Der Bedarf steigt, weil die Bevölkerung immer älter wird und die Menschen im hohen Alter pflegebedürftig werden. Und er steigt aufgrund von krank machenden Umwelteinflüssen und Stress, denen diejenigen mit einem schwächeren Immunsystem nicht gewachsen sind. Und er steigt, weil die Zahl der chronisch Kranken zunimmt.
  • Die Zahl der als invalide oder behindert anerkannten Personen nimmt zu. In der Deutschsprachigen Ge-meinschaft besteht eine Dienststelle für Personen mit einer Behinderung. An diese Dienststelle hat sich auch Bernd Meyer gewandt, um Hilfe für seinen quer-schnittsgelähmten Sohn Marc zu beantragen, sei es beim Umbau der Wohnung, sei es bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz.

Entweder das System überlebt oder wir steuern in die Zweiklassenmedizin:

Diese Debatte hat nicht nur einen finanziellen Hinter-grund sondern auch einen ideologischen: wer nicht will, dass eine Zweiklassenmedizin entsteht, der muss für das finanzielle Überleben des aktuellen Systems sorgen. Wer will, dass in Zukunft jeder die bestmögliche Behandlung bekommt, der muss sparsam und behutsam mit dem Geld der Krankenkassen umgehen.

Gesundheit unterliegt Sparmaßnahmen

Die Gesundheitspflege entgeht den Sparmaßnahmen der neuen Regierung nicht.

  • Teurere Visite bei einem Spezialisten: z.B. der Gynäkologe
  • Eigenbeitrag: wenn kein Sonderregime bezahlt der Inhaber 12 Euro anstatt 8,23 Euro heute
  • Niederkunft: kürzerer Aufenthalt, verkürzt um einen halben Tag im Krankenhaus
  • Einschränkung bei Mammografie

Diese Maßnahmen betreffen direkt die Gesundheit der Frauen