Ein Recht auf Freizeit …

kap-soziale_sicherheit-onva… gab es nicht immer. Zu Zeiten von K. Meyers Urgroßvater wurde täglich zwölf Stunden gearbeitet, die ganz Woche über. Es gab keine freien Tage und keinen bezahlten Urlaub. Man fing mit 6 Jahren an zu arbeiten und hörte erst auf, wenn die Gesundheit das Arbeiten wirklich nicht mehr zuließ.

Nach dem 1. Weltkrieg: die allgemeine Wahlpflicht wird eingeführt. Damit erhalten die Arbeiter die Möglichkeit, ihre eigenen Vertreter in das Parlament zu entsenden. Sie sorgen dafür, dass die Lebensbedingungen der Arbeiter nicht mehr allein die Sache des Arbeitgebers ist, sondern auch des Gesetzgebers. So werden am 14. Juli 1921 der 8-stündige Arbeitstag und die 48-Stunden-Woche gesetzlich eingeführt.

Die Fließbandarbeit wird eingeführt. Der Arbeiter verrichtet nur noch einen Teil der Arbeit, um das Endprodukt herzustellen.

Der Akkordlohn wird eingeführt. Damit werden die Arbeiter zu größerer Produktivität und schnellerem Arbeiten angetrieben. Die Schichtarbeit wird eingeführt, damit die Maschinen rund um die Uhr laufen können. Die Arbeiter wechseln sich in verschiedenen Schichten ab.

kap-soziale_sicherheit-freizeit

In den dreißiger Jahren investieren die Arbeitgeber immer mehr in Maschinen, die die Arbeit des Menschen verrichten können und ihn somit überflüssig machen. Es entsteht im Zuge der großen Rezession Arbeitslosigkeit in größerem Ausmaß. Die Antwort der Gewerkschaften: Streiks im Jahr 1932 und vor allem 1936, gekoppelt an die Forderung nach der Einführung der 40-Stunden-Woche und einer bezahlten Urlaubswoche pro Jahr.

Nach dem Krieg ist die Weideraufbauarbeit so groß, dass die belgischen Arbeiter allein nicht die ganze Arbeit bewältigen können. Auf Anfrage der Arbeitgeber nimmt die Regierung italienische, spanische … Arbeitnehmer ins Land.

1955 wird die wöchentliche Arbeitszeit auf 45 Stunden und 5 Tage festgelegt – mit Lohnausgleich. Dem Land und der Wirtschaft standen rosigere Zeiten bevor …

kap-soziale_sicherheit-freizeit02Es besteht Mangel an Arbeitskräften. Frauen werden immer häufiger eingestellt. Marrokaner und Türken werden ins Land geholt. Die Zahl der bezahlten Urlaubstage steigt. Die Schulpflicht wird später auf 18 Jahre angehoben – somit sinkt die Lebensarbeitszeit. Frühpensionen werden möglich.

1971 wird die 40-Stunden-Woche eingeführt. Die Krise beginnt. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt wieder zu …

Der bezahlte Urlaub war und ist also keine Selbstverständlichkeit. Als 1936 nach Massenstreiks erst mal eine bezahlte Urlaubswoche eingeführt wurde, war das angesichts der harten Arbeitsbedingungen ein gewaltiger sozialer Fortschritt, sowohl für den Arbeitnehmer selbst als auch für seine Familie.
1955 wurde eine 2. Woche bezahlten Urlaubs hinzugefügt. 1965 kommt eine dritte und 1975 eine vierte Woche hinzu.

Zur Zeit werden heftige Diskussionen darüber geführt, ob und inwieweit die Arbeitszeit des einzelnen weiter gekürzt oder ob sie verlängert werden soll. Die Verfechter der Verkürzung der Arbeitszeit geben vor, dass somit die vorhandene Arbeit gerechter auf die Gesamtheit der Arbeitssuchenden verteilt werden kann. Sie rechnen vor, anstatt dass z.B. zahlreiche Überstunden gemacht werden, könnten diese in Form zusätzlicher Arbeitsplätze neuen Bewerbern eine Perspektive bieten.  Die entscheidende Frage ist die des Lohnausgleichs oder der Lohnmäßigung. Die Denkmodelle reichen von Tages- und Wochenarbeitszeiten (38 oder 36-Stunden-Woche) über die Jahresarbeitszeit (Möglichkeit, einen Bildungsurlaub zu nehmen) bis hin zur Lebensarbeitszeit (Frühpension, ein zusätzliches Jahr für Kindererziehung …).

Die Verfechter der Verlängerung berufen sich auf die für den Betrieb unverzichtbare Qualifikation der aktiven Arbeitnehmer. Sie plädieren einerseits für die Möglichkeit, Überstunden machen zu können, die teils in Lohn, teils in Freizeit abgegolten werden kann. Andere plädieren für eine Anhebung der effektiven Lebensarbeitszeit, gekoppelt an die Möglichkeit eines flexiblen Ausstiegs aus dem Arbeitsleben. In der Tat ist höchstens noch ein knappes Drittel der aktiven Bevölkerung über 55 Jahren vollzeitig berufstätig – obwohl die gesetzliche Alterspension erst ab 64/65 Jahren genommen werden kann.

Das Landesamt für Jahresurlaub…

… ist lediglich für den Jahresurlaub von Arbeitern zuständig. Urlaubsgelder für Angestellte und Beamte werden direkt vom Arbeitgeber gezahlt. Da Selbstständigen kein Jahresurlaub gewährt wird, erhalten sie auch kein Urlaubsgeld. 

kap-soziale_sicherheit-onvaDas Urlaubsgeld von Arbeitern, die dem gesetzlichen System des Jahresurlaubs für Arbeitnehmer unterliegen, wird vom Landesamt für Jahresurlaub oder von einem besonderen Urlaubsfonds ausgezahlt. Der Anspruchsberechtigte braucht keinen Antrag zu stellen.

„Das für Jahresurlaub zuständige Landesamt erhebt die Arbeitgeberbeiträge und teilt sie unter den beson-deren Urlaubsfonds auf. Da Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch während ihrer Urlaubszeit Beiträge in die Sozialversicherungskassen abführen müssen und dies nicht zu Lasten der Urlaubsfonds erfolgen darf, werden die Sozialversicherungsbeiträge das ganze Jahr hindurch auf 108 % des Bruttogehalts berechnet“. Quelle: Was sie immer schon über die Sozialsicherheit wissen wollten

Die Urlaubsdauer für Arbeiter hängt ab von der Zahl der Arbeitstage (inklusive gleichgestellte Tage) des Arbeitnehmers während des betreffenden Jahres vor dem Jahr der Auszahlung des Urlaubsgeldes. Konkret: die Zahl der Urlaubstage ist abhängig von der Zahl der gearbeiteten oder gleichgestellten Tage des Jahrs davor.

Das Recht auf Jahresurlaub erstreckt sich auf maximal 4 Wochen. Üblicherweise erstreckt sich der Urlaubszeitraum bei Vollbeschäftigung (231 Tage und mehr) auf 20 Tage im System der 5-Tage-Woche.

kap-soziale_sicherheit-henrietteDas Urlaubsgeld setzt sich aus dem einfachen Urlaubsgeld (8 % des Bruttolohns in Höhe von 108 %) und dem doppelten Urlaubsgeld (7,38 % von 108 %) zusammen. Das einfache Urlaubsgeld wird während vier  Urlaubswochen gezahlt, das doppelte Urlaubsgeld auch. Das doppelte Urlaubsgeld ist gewissermaßen eine Art Deckungsbeitrag von Zusatzkosten, die sich urlaubszeitbedingt ergeben können (beispielsweise bei Reiseantritt). Von dem doppelten Urlaubsgeld wird ein Prozentsatz von 13,07 % einbehalten. Das Urlaubsgeld wird bei Antritt des Haupturlaubs ausgezahlt, jedoch frühestens am 2. Mai des Urlaubsjahres.„ Quelle: Was sie immer schon über die Sozialsicherheit wissen wollten

Das Urlaubsgeld für Angestellte wird direkt vom Arbeitgeber bezahlt. Die Dauer des Urlaubs für Angestellte wird wie folgt berechnet: 2 Tage pro gearbeiteten Monat des Vorjahres. So kommen wir auf 24 Urlaubstage im Regime der 6-Tage-Woche und 20 Urlaubstage im Regime der 5-Tage-Woche.

Das Urlaubsgeld besteht aus einem einfachen und einem doppelten Betrag. Der einfache Betrag ist die Fortführung der monatlichen Gehaltszahlungen während der Urlaubszeiten. Der doppelte Betrag  von 92 % des Bruttomonatsgehaltes des Monats deckt die Urlaubskosten ab. Der 2. Betrag wird je nach Anzahl Arbeitszeit aus dem Vorjahr berechnet.

kap-soziale_sicherheit-freizeit03Beamte haben Anspruch auf Urlaub und Urlaubsgeld. Die Länge des Jahresurlaubs von föderalen Beamten ist altersabhängig. Bis zum Alter von 45 Jahren haben sie Anspruch auf 26 Urlaubstage, zwischen 45 und 49 Jahren liegt dieser Anspruch bei 27 Tagen; ab 50 Jahren liegt der Anspruch bei 28 Tagen. Ab 60 Jahren erhöht sich diese Anzahl Urlaubstage für Beamte jährlich um einen Tag.

Während ihres Urlaubs erhalten Beamte weiterhin ihr übliches Monatsgehalt.
Im Monat Mai erhalten Beamte ein zusätzliches Urlaubsgeld. Auf das Urlaubsgeld und die Kopernikus-Prämie werden 13,07 % einbehalten.“ Quelle: Was sie immer schon über die Sozialsicherheit wissen wollten