Die Chance, eine Arbeitsstelle zu finden

„Wer nicht sät, wird auch nicht ernten“

Wer heutzutage blind darauf vertraut, eine Arbeitsstelle zu finden, wird wahrscheinlich schnell enttäuscht sein. Die technischen  Entwicklungen, der Zuwachs an Wissen, das Tempo der Forschung, die Konkurrenz auf Weltebene … all das sind Dinge, die auch den Arbeitnehmer betreffen. Sie verursachen, dass die Suche nach einer Arbeitsstelle schwieriger ist als früher.

Und sie sind dafür verantwortlich, dass  niemand sicher sein kann; seine Arbeitsstelle zu behalten. Angesichts dieser Unsicherheiten, mit denen gerade junge Arbeitnehmer immer öfter zu kämpfen haben werden, sind diejenigen am besten dran; die sich gut vorbereitet haben. Das heißt nichts anderes, als dass sie gut ausgebildet wurden. Wer heutzutage nicht gut ausgebildet ist, wird überrollt.

Die Bedeutung von Studien und Ausbildung

kap-soziale_sicherheit-paul„Man kann es nicht oft genug wiederholen: wer als Jugendlicher einen Arbeitsplatz sucht, hat mehr Chancen, wenn er über ein Diplom oder über ein Abschlusszeugnis verfügt“. Das sagen Bernd und Lisa ihrer Tochter Christine, wenn sie  keine Lust mehr hat, mal die Hausaufgaben zu machen. Der Tochter geht das – ehrlich gesagt – manchmal auf den Wecker. „Warum müssen die Eltern immer Recht haben?“ denkt sie sich.

Bevor Sie also die Schule verlassen, überlegen Sie genau, ob Sie danach überhaupt noch Möglichkeiten haben, sich weiterzubilden, um die Chancen bei der Arbeitssuche zu verbessern. Wenn der Grund für das Verlassen der Schule darin besteht, dass die Finanzen nicht ausreichen, dann sollten Sie vielleicht vorher prüfen, ob Sie Ihre Anrechte auf eine Studienbörse oder ein Studiendarlehen ausgeschöpft haben.

Wenn Sie bereits die Sekundarschule verlassen haben, dann können Sie immer noch ein Abiturdiplom oder das Diplom der Mittleren Reife bekom-men, indem Sie die Prüfungen vor der Zentraljury ablegen und bestehen. In diesem Fall ist es ratsam, sich im Rahmen des zweiten Bildungswegs auf diese Prüfungen vorzubereiten.

Der Erhalt eines Diploms garantiert noch keinen Arbeitsplatz. Den kann keine Schule garantieren. Allerdings erhöht der Besitz eines Diploms ganz erheblich die Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden. Sie müssen nämlich wissen, dass unter den Arbeitslosen zahlreiche Personen sind, die wegen Mangel an Ausbildung schon lange auf der Suche nach einer Arbeitsstelle sind, jedoch keinen Erfolg dabei hatten. Umgekehrt sind unter diesen Arbeitslosen nur wenige, die über ein Abitur- oder ein Hochschuldiplom  verfügen.

Wer über ein Gesellendiplom in einem Handwerksberuf verfugt, ist ebenfalls selten lange auf der Suche nach Arbeit. Wer sich nach dem Gesel-lendiplom zum Facharbeiter oder zum Meister weiterbildet, erhöht zusätzlich seine Chancen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Wer über eine abgeschlossene Sekundarausbildung verfügt, kann eine praktische Ausbildung dran hängen. Nach zwei Jahren dualer Ausbildung im Betrieb erhält er den Status als Geselle plus. Immer mehr Abiturienten gehen diesen Weg und vervollständigen auf diese Weise ihre bisherige Ausbildung durch praktische Fähigkeiten. Bei der Arbeitsplatzsuche ist dies ein gewichtiger Vorteil.

Lebenslänglich

Im Gegensatz zu früher ist es heutzutage noch viel wichtiger, sich nach dem Abschluss einer  ersten Ausbildung ein Leben lang weiterzubilden. Niemand kann heute sagen, was die technische Entwicklung an Neuerungen im Betrieb mit sich bringen wird. Niemand weiß heute, was die Wissenschaft in Zukunft an Forschungsergebnissen vorlegt. Es wird also immer wichtiger, sich selbst ständig auf dem Laufenden zu halten. Sein Wissen und seine handwerklichen Fähigkeiten ständig zu aktualisieren, geschieht nicht so nebenbei. Hierfür ist es notwendig, dass man bereit ist, sich immer wieder neu in Weiterbildungsangebote einzuschreiben.

Mehrsprachigkeit ist ein Trumpf

Das wissen wir schon lange: wer nur eine Sprache redet, ist im Nachteil. Auf den Arbeitsplatz, für den er sich bewirbt, gibt es zahlreiche Mitbewerber, die mindestens über zwei Sprachen verfügen. Die Konkurrenz entscheidet: wer sich in zwei oder mehr Sprachen verständlich machen kann, hat den Vorteil auf seiner Seite.

Lesen Sie die Stellenangebote mal gründlich durch. Sie werden feststellen, dass in vielen Fällen die Kenntnis von Deutsch und Französisch die Mindestvoraussetzung ist, damit man als Kandidat für die Bewerbung auf einen Arbeitsplatz überhaupt zugelassen wird. Oft werden dazu noch Englisch- und/oder Niederländisch-Kenntnisse gefordert.

Eine Fremdsprache zu beherrschen, setzt mehr voraus, als die Regeln der Grammatik und des Satzbaus zu kennen. Eine Fremdsprache beherrscht, wer in der Lage ist, sich ohne Stottern  in ihr verständlich  zu machen. Das aber ist eine Frage von Übung. Kandidaten, die an Sprachtraining interessiert sind, sollten die Möglichkeit von Praktika in einer anderen Sprache nutzen.

Fallbeispiel - Verpasste Chance

kap-soziale_sicherheit-onemAls sie 16 Jahre alt war, hatte sie keine Lust mehr auf Schule. Trotz guten Zuredens seitens der Eltern war da nichts zu machen. Sie beendete die Schule und begann eine Lehre – nicht weil sie lieber einen praktischen Beruf erlernen wollte, sondern weil sie noch solange schulpflichtig war, bis sie 18 Jahre alt ist. Ihre erste Lehrstelle (als Friseurin) behielt sie nicht lange. Sehr schnell geriet sie mit der Chefin in Konflikt. Diese verlangte, dass auch nach einem Wochenende voller Feste am Montagmorgen pünktlich mit der Arbeit begonnen werden sollte. Nach einem Jahr wechselte sie die Lehrstelle. Ihre zweite Lehrstelle als Verkäuferin klappte besser. Sie beendete ihre Lehre und arbeitete einige Zeit in diesem Beruf – bis das Geschäft geschlossen werden musste. In der Tat konnte es aus Altersgründen des Inhabers nicht weiter betrieben werden. Sie wurde arbeitslos und sucht seither nach einer neuen Arbeitsstelle. Bis dato hat sie sich einige Male beworben, aber immer eine Absage erteilt bekommen. Sie war nie die einzige Kandidatin, die sich auf einer Arbeitsstelle bewarb. Immer waren andere da, die mehr Kenntnisse vorweisen konnten als sie selber. So ging eine Bewerbung nach der anderen daneben.

Inzwischen ärgert sie sich über die verpassten Chancen. Das Arbeitsamt bot ihr eine Umschulung an, indem sie sich mit EDV-Kenntnissen vertraut macht. Arbeit am Computer liegt ihr eigentlich nicht. Sie bevorzugt eher eine handwerkliche Tätigkeit. Doch weiß sie auch, dass es so nicht noch Monate weiter gehen darf.

Was der Unternehmer vom künftigen Mitarbeiter erwartet

kap-soziale_sicherheit-carloImmer häufiger klagen Betriebe über Versäumnisse des Bildungssystems, wenn junge Menschen die Schule verlassen und ins Berufsleben einsteigen. Diese Kritik kommt nicht von ungefähr, denn Schulabgänger beherrschen Deutsch und Mathematik heute weniger gut als noch vor Jahren. Was zählt also beim Start ins Berufsleben? Dazu die Äußerungen belgischer und deutscher Unternehmer:

Die Erwartungen der belgischen Arbeitgeber vom Abiturienten  in nachstehender Rangfolge (ermittelt von der Industrie- und Handelskammer und vom Allgemeinen Arbeitgeberverband in Eupen):

Erwartungen an die Schüler des allgemeinbildenden Unterrichts:

  • Leistungsbereitschaft und Fleiß, Lehrfähigkeit und Lernbereitschaft . Unter diesen Voraussetzungen besteht die Möglichkeit, gewisse Defizite im Bereich der  Kenntnisse zu kompensieren.
  • Fremdsprachenkenntnisse. Sie sind von großer Bedeutung, angesichts der Internationalisierung der Wirtschaft, die insbesondere eine Grenzregion verstärkt auf ihrem regionalen  Markt erfährt.
  • Fundiertes Allgemeinwissen,
  • Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, mündliche und schriftliche Ausdrucksweise,  Schnelligkeit, Genauigkeit und Pünktlichkeit, Selbständigkeit,
  • Team-Fähigkeit,
  • gute Fachkenntnisse,
  • EDV-Kenntnisse,
  • Kreativität und Phantasie.

Erwartungen an die Schüler des technischen Unterrichts

  • gute Fachkenntnisse. Beispiel: Wenn ein Abiturient in Hydraulik, Pneumatik ausgebildet worden ist, erwartet der Unternehmer schon, dass er die Maschinen, selbständig bedienen kann. Dies setzt natürlich auch voraus, dass die Maschinen und das didaktische Material in den Schulen auf dem aktuellen  Stand der Technik sein müssen.
  • Lernfähigkeit und -bereitschaft, Leistungsbereitschaft und Fleiß,
  • Schnelligkeit, Genauigkeit und Pünktlichkeit
  • Flexibilität, Anpassungsfähigkeit , Selbständigkeit,
  • Team-Fähigkeit,
  • Fremdsprachenkenntnisse (wenn die Personen an den Maschinen stehen, ist eher eine technische Kenntnis der Fremdsprache und weiniger die allgemeine von Bedeutung),
  • Kreativität und Phantasie,
  • EDV-Kenntnisse, mündliche und schriftliche Ausdrucksweise,
  • fundiertes  Allgemeinwissen.

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In Bezug auf die EDV-Kenntnisse muss darauf hingewiesen werden, dass die EDV-Kenntnisse oftmals so spezifisch in den Betrieben sind, dass man vom Schüler keine detaillierten Kenntnisse im EDV-Bereich erwartet. Er sollte mit einem Computer umgehen können, er muss wissen, wie der Computer funktioniert. Die spezifischen Programme in den Unternehmen werden im Unternehmen selbst erlernt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hält folgende Eigenschaften als Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz fest:

Kenntnisse und Fertigkeiten:

  • Betriebsübergreifende,  d.h. allgemeinbildende Kenntnisse und Fertigkeiten wie Kultur-techniken (Lesen, Schreiben, Rechnen), Fremdsprachen, technische, wirtschaftliche und soziale Ausbildung;
  • Neuaufkommende Kenntnisse und Fertigkeiten – wie Befähigung zum Umgang mit elektronischer  Datenverarbeitung und neuen Technologien;
  • Vertiefte Kenntnisse und Fertigkeiten, d.h. Ausbau von Grundlagen, die wenig veränderbar sind – wie Fachfremdsprachen;
  • Berufsausweitende, d.h. über den Einzelberuf hinausgehende Kenntnisse und Fertigkeiten – wie Arbeitsschutz und Umweltschutz;

Fähigkeiten:

  • Selbständiges, logisches, kritisches, kreatives Denken;
  • Gewinnen und verarbeiten von Informationen , Informiertheit;
  • Selbständiges Lernen, das Lernen lernen, sich etwas erarbeiten können;
  • Anwendungsbezogenes  Denken und Handeln, Einsatz der eigenen Sensibilität und Intelligenz – bei Umstellungen und Neuerungen, im Vorschlags- und Erfindungswesen;
  • Entscheidungsfähigkeit, Führungsfähigkeit, Gestaltungsfähigkeit – wie Selbständigkeit bei Planung, Durchführung und Kontrolle;

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Verhaltensweisen:

  • Verhaltensqualifikationen mit einzelpersönlicher Betonung –  wie Selbstvertrauen, Optimismus;
  • Wendigkeit, Anpassungsfähigkeit, Gestaltungskraft,  Leistungsbereitschaft,  Eigenständigkeit, Selbständigkeit im Rahmen der Arbeitsmöglichkeiten, Eigeninitiative;
  • Verhaltensqualifikationen mit zwischenmenschlicher Betonung – wie Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, Fairness, Verbindlichkeit, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Dienstbereitschaft, Team-Fähigkeit, Solidarität, Fähigkeit, mit Konflikten rational umgehen zu können;
  • Verhaltensqualifikationen mit gesellschaftlicher Betonung – wie Fähigkeit und Bereitschaft zu wirtschaftlicher Vernunft, technologischer Akzeptanz und zum sozialen Konsens, Übernahme von Verantwortung, Aufgeschlossenheit für neue Entwicklungen im Unternehmen;
  • Arbeitstugenden – wie Genauigkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Exaktheit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Ordnungssinn, Konzentration, Ausdauer, Pflichtbewusstsein, Fleiß, Disziplin, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Verlässlichkeit bei der Durchführung übertragener Auf-gaben und Arbeiten;

Grundlagenwissen:

  • Verfassen einfacher Texte mit korrekter Rechtschreibung und Grammatik;
  • Beherrschung der vier Grundrechenarten;
  • Sicherheit im Umgang mit Maßeinheiten sowie bei Flächen- und Volumenberechnungen;
  • Grundkenntnisse in Geometrie;
  • Grundkenntnisse im Umgang mit dem PC;
  • Kenntnisse wirtschaftlicher und  gesellschaftlicher Zusammenhänge.

„Es gibt nur eins, das teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

John F. Kennedy